Was ist Plastik und wie wird es recycelt?

Dass wir alle viel zu viel Plastik im Alltag verwenden, war mir klar. Als ich ein wenig recherchiert habe und mir bewusst wurde, wie viel Plastik tatsächlich auf der Welt existiert, bin ich fast aus den Latschen gekippt. (die übrigens auch aus Plastik bestehen). Allein auf Wikipedia gibt es eine Liste mit sage und schreibe 85 verschiedenen Plastikarten. Ich bin mir sicher, dass es noch mehr gibt.

Wie wird Kunststoff überhaupt hergestellt?

Kunststoff wird hauptsächlich aus Erdöl hergestellt. Das ist ein natürlicher Rohstoff, der auch oft als „schwarzes Gold“ bezeichnet wird. Erdöl ist für unsere heutige Gesellschaft enorm wertvoll, da wir es in jeglicher Form benutzen. Wir brauchen es zum Heizen, als Benzin in unseren Autos, in Klebstoffen, Medikamenten, Kosmetik und eben auch in Kunststoffen. Doch der Bestand an Erdöl auf der Welt ist begrenzt. Niemand kann mit genauer Wahrscheinlichkeit sagen, wie viel sich davon noch unter der Erde befindet. Es versteht sich daher von selbst, dass wir mit dieser Ressource nicht verschwenderisch umgehen sollten!

Je nach gewünschter Plastikart wird eine der 3 Verfahren zur Kunststoffherstellung angewandt: Polymerisation, Polykondensation oder Polyaddition. (Ich werde uns an dieser Stelle allen einen Gefallen tun, und gar nicht erst versuchen den chemischen Prozess dahinter detailliert zu erklären.)

Welche Arten von Kunststoff gibt es?

Aufgrund der physikalischen Eigenschaften wird Kunststoff zunächst in 3 Gruppen unterteilt, unter welche dann wiederum die verschiedenen Arten fallen.

Thermoplaste: Wie der Name schon sagt ist hierbei die Wärme relevant. Je nach Wärmezufuhr ändert sich der Aggregatzustand. Es ist bei einer bestimmten Temperatur verformbar und schmilzt schließlich. Zu den Thermoplasten zählen z.B. Flaschen (PET), Frischhaltefolien und Müllbeutel (PE), Waschmaschinenteile (PP) und auch Weich-PVC, den wir unter anderem als ultraschicken Bodenbelag aus der Turnhalle kennen.

Duroplaste: Duroplasten sind sehr hart und stabil. Sie schmelzen nicht und werden daher gerne für Gegenstände verwendet, die heiß werden können, aber dabei stabil bleiben sollen, z.B. Feuerwehrhelme. Außerdem finden wir es noch in Kleb- und Lackharz und elektrischen Isolierungen (EP), oder auch in Bremsbelägen und Schaltern (PF).

Elastomere: Der Begriff lässt es schon vermuten. Elastomere sind elastisch, also durch Drücken und Ziehen verformbar. Lässt man los, gehen sie sofort wieder in ihre Ausgangsform zurück (z.B. Spülschwämme).

Plastik ist also nicht gleich Plastik. Es unterscheidet sich aber nicht nur in Form und Aussehen, sondern auch in einem wichtigen Punkt. Nämlich ob es recyclebar ist.

Was kann recycelt werden?

Der Recycling Prozess findet oftmals in China statt. Bedeutet im Klartext: Wir schicken unseren Müll nach China. Dort wird das Plastik sortiert, gereinigt, zerschreddert und schließlich geschmolzen. Je farbiger und weniger sortenrein das Plastik ist, desto mehr Energie wird benötigt, um daraus neue Fasern oder Granulat herzustellen. Meiner Meinung nach eine ziemlich unsinnige Angelegenheit, das Ganze ins Ausland zu verlagern. Aber chinesische Arbeitskräfte sind halt billiger und Profit steht nunmal für die meisten Unternehmen an erster Stelle.

Mittlerweile hat China allerdings die Notbremse gezogen. Seit Anfang des Jahres dürfen insgesamt 24 verschiedene Recyclingmaterialien nicht mehr dorthin exportiert werden. Im Laufe des Jahres werden weitere Materialien wahrscheinlich folgen. Ein Schritt, der schon lange überfällig war. Das Land setzt damit ein Statement und will nicht länger als weltweite Müllkippe angesehen werden.

Was ist recycelbar?

Betrachtet man einmal den ganzen Wust an Plastik, der uns umgibt stellt sich die Frage: Was kann recycelt werden?

Bei vielen Alltagsprodukten gehen wir irrtümlich davon aus, dass sie recycelbar seien. Z.B. Chipstüten oder Zahnpastatuben. Diese bestehen allerdings aus Mischkunststoffen und lassen sich nur mit erheblichem Aufwand trennen.

Generell sollte erstmal gesagt werden, dass es verschiedene Arten von Recycling gibt.

Direktes Recycling

Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um Produkte, die wir direkt weiterverwenden können. (Flohmärkte, Secondhand, Pfandsysteme)

Energetisches Recycling

Über die Hälfte von unserem Plastikmüll wird auf einer Müllverwertungsanlage verbrannt und dient durch die freiwerdende Energie zur Stromerzeugung.

Stoffliches Recycling

Wenn wir an den Begriff „Recycling“ denken, meinen wir zum größten Teil das stoffliche Recycling. Damit ist die Verwertung von Produkten und Produktteilen als Rohstoff für die Herstellung von neuen Produkten gemeint. Hierfür können Thermoplasten benutzt werden, solange sie sortenrein sind. Grundsätzlich kann man diese Produkte immer an dem dreieckigen Recycling Symbol erkennen. Innerhalb dieses Symbols steht eine Zahl, die der jeweiligen Kunststoffart zugewiesen ist.

1. PET (Polyethylenterephthalat)
Diese Abkürzung haben wohl alle schon einmal gehört. Es wird meistens für Getränkeflaschen verwendet und kann zu Textilfasern für die Herstellung von Kleidung, Möbeln und Teppichen weiterverarbeitet werden.

2. HDPE (Hochverdichtetes Polyethylen)
Zu Finden in Rohren, Flaschen für Reinigungsmittel im Haushalt und großvolumigen Behältern. Es kann zu Flaschen, Schreibstiften und Baumaterial weiterverarbeitet werden.

3. PVC (Polyvinylchlorid)
PVC ist vielseitig einsetzbar. Wir finden es in Rohrleitungen, medizinischen Geräten, Aussenfassaden, aber auch in Waschmittel- und Shampoo Flaschen, oder durchsichtigen Lebensmittelverpackungen und es kann zu Baumaterialien verarbeitet werden.

4. LDPE (Polyethylen niedriger Dichte)
Dieses Material wird vor allem in der Folienproduktion eingesetzt, z.B. für Frischhaltefolien, Tragetaschen oder Müllsäcke.

5. PP (Polypropylen)
Wird unter anderem verwendet für Industriefasern, Innenraumverkleidungen und Stoßstangen.

6. PS (Polystyrol)
PS findet man oft in Spielzeugen, Blumentöpfen, CD Hüllen, Koffern und Lebensmittelverpackungen (zB. Eierkartons).

7. O (Other)
Hierunter fallen diverse andere Kunststoffarten wie PC, PA, ABS, etc. Sie werden verwendet für Sonnenbrillen, Nylon, DVDs oder auch schusssichere Materialien.

Schätzungsweise wird nur weniger als 50% unseres Plastikabfalls stofflich recycelt, obwohl viel mehr sortenreine Kunststoffarten dabei sind. Das liegt oft am Verbraucher, der den Müll in seinen vier Wänden nicht richtig trennt. Die Sortieranlage erkennt Fehlwürfe nicht und spuckt diese wieder aus.

Recycling fängt also, wie so viel anderes auch, bei uns zu Hause an.

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